KI-Literacy im Coding-Unterricht bedeutet, dass Lernende verstehen, wie KI-Assistenten wie Replit Agent funktionieren, wo ihre Grenzen liegen und wie man sie gezielt als Werkzeug einsetzt — statt sich blind auf sie zu verlassen. Das Ziel ist nicht weniger Code zu schreiben, sondern bessere Fragen zu stellen und das Ergebnis kritisch zu beurteilen.
Warum KI-Literacy jetzt in den Lehrplan gehört
Schweizer Bildungspläne — von der Volksschule bis zur Berufsschule — integrieren digitale Kompetenz zunehmend als Kernfach. Der Lehrplan 21 verankert Informatik und Medien als eigenständigen Bereich. Was bislang fehlt: konkrete Werkzeuge und Methoden, um den Umgang mit generativer KI zu üben.
Replit Agent ist dafür ideal, weil er genau das tut, was Lernende von KI-Tools erwartet — und dabei die Konsequenzen des generierten Codes im Browser direkt sichtbar macht. Gut gestellte Prompts produzieren funktionierende Apps. Schlechte Prompts produzieren Bugs, die gemeinsam analysiert werden können.
Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) nutzen 2025 bereits 61 % der 15- bis 24-Jährigen in der Schweiz regelmässig KI-Assistenten für Lernaufgaben. Schulen, die dieses Thema ignorieren, verlieren pädagogische Relevanz.
Das pädagogische Modell: Prompt → Code → Analyse → Iteration
Phase 1: Prompt formulieren (5–10 Minuten)
Schülerinnen und Schüler beschreiben auf Deutsch (oder Englisch), was ihre App tun soll. Keine technischen Begriffe erlaubt — nur Alltagssprache. Beispiel: "Erstelle eine Webseite, auf der ich meine täglichen Aufgaben eintragen und abhaken kann."
Lehrperson-Rolle: Prompt-Qualität besprechen, bevor Replit Agent gestartet wird. Was ist präzise genug? Was fehlt?
Phase 2: Code analysieren (10 Minuten)
Replit Agent generiert HTML, CSS und JavaScript. Die Klasse schaut sich den Code gemeinsam an — mit einer zentralen Frage: "Was erkennst du, das du bereits kennst?"
Dies verknüpft KI-Output mit gelerntem Stoff. Schülerinnen und Schüler sehen <button> und erinnern sich an die HTML-Einführung. Sie sehen function und verknüpfen es mit dem Konzept, das sie letzte Woche besprochen haben.
Phase 3: Fehler als Lernmoment (10 Minuten)
Absichtlich eine schlechte Aufgabe geben: "Erstelle eine App, die immer weiss was der Nutzer als nächstes tun will." Replit Agent wird entweder sinnlosen Code oder ein sehr generisches Ergebnis produzieren. Diskussion: Warum? Was kann KI nicht wissen?
Das baut realistisches KI-Verständnis auf: KI ist kein Gedankenleser, keine Allzweckwaffe — sie ist ein Werkzeug mit Stärken und Schwächen.
Phase 4: Iterativ verbessern (15 Minuten)
Schülerinnen und Schüler nehmen die generierte App und verbessern sie durch gezieltes Nachprompting: "Füge eine Möglichkeit hinzu, erledigte Aufgaben zu löschen." Oder: "Ändere die Farben zu den Schulfarben."
Jede Iteration ist eine Micro-Feedbackschleife: Prompt → Ergebnis → Bewertung → nächster Prompt. Genau dieser Zyklus ist in der Arbeitswelt 2026 eine Kernkompetenz.
Fünf konkrete Unterrichtsideen mit Replit Agent
1. Persönlicher Stundenplan-Generator (Mittelstufe)
Aufgabe: "Erstelle eine Webseite, die meinen Stundenplan der Woche als Tabelle zeigt."
Lernziel: Tabellenstruktur, CSS-Styling, eigene Daten einfügen.
2. Quiz-App zur Prüfungsvorbereitung (Sekundarstufe)
Aufgabe: "Baue ein Quiz mit fünf Fragen über [Unterrichtsstoff]. Nach jeder Antwort soll die App zeigen, ob ich richtig lag."
Lernziel: Logische Verzweigungen, Datenpersistenz im Browser, UX-Denken.
3. Schul-Newsfeed (Berufsschule/Gymnasium)
Aufgabe: "Erstelle eine einfache Webseite, auf der Schulmeldungen angezeigt werden. Neue Meldungen sollen oben stehen."
Lernziel: Arrays, DOM-Manipulation, Datenstrukturen.
4. CO₂-Rechner für den Schulweg (fächerübergreifend)
Aufgabe: "Baue einen Rechner, der basierend auf Transportmittel und Distanz den CO₂-Ausstoss für den Schulweg berechnet."
Lernziel: Formulare, Berechnungslogik, gesellschaftliche Relevanz von Code.
5. Schülerportfolio (Jahresprojekt)
Aufgabe iterativ aufbauen: Beginn mit "Erstelle meine persönliche Webseite", dann Woche für Woche erweitern.
Lernziel: Versionskontrolle, Projektstruktur, professionelle Selbstpräsentation.
Replit Agent im Vergleich zu anderen KI-Coding-Tools
| Tool | Stärken im Unterricht | Schwächen |
|---|---|---|
| Replit Agent | Vollständige App in Sekunden, direkte Vorschau, Schweizer Datenschutz-kompatibel (EU-Server wählbar) | Erfordert Grundkenntnisse für sinnvolles Prompting |
| GitHub Copilot | Tiefe IDE-Integration | Setzt lokale Installation voraus |
| ChatGPT Code Interpreter | Gute Erklärungen | Kein Live-Deployment, kein visueller Code-Editor |
| Scratch KI-Erweiterungen | Einsteigerfreundlich | Kein echter Code, keine Übertragbarkeit |
Bedenken zur KI im Unterricht — und wie man damit umgeht
"Schülerinnen und Schüler lernen nichts mehr, wenn KI den Code schreibt."
Falsch angesetzt. Wenn die Lehrperson den Fokus auf Analyse, Iteration und Verständnis legt, ist der KI-generierte Code ein Lernmaterial — nicht die Lösung. Vergleich: Ein Mathelehrer zeigt eine gelöste Aufgabe und erklärt den Lösungsweg. Der Schüler löst danach selbst.
"Wir können nicht kontrollieren, ob Schülerinnen und Schüler selbst gedacht haben."
Bewertungsformat anpassen: Statt "Liefere funktionierende App ab" → "Erkläre in drei Sätzen, was dieser Code tut und warum du ihn so geschrieben hast." Mündliche Kurzprüfung direkt nach dem Coding-Auftrag.
"Replit-Daten sind in der Cloud — ist das DSGVO-konform?"
Replit bietet europäische Serveroptionen. Für Schweizer Schulen empfehlen wir, ausschliesslich Replit Teams for Education zu nutzen (keine persönlichen Daten, keine Inhalte, die das Schulgesetz tangieren). CNEXT berät zur konkreten Konfiguration.
Lehrerfortbildung: Wie CNEXT Schulen begleitet
CNEXT bietet Halbtages-Workshops für Lehrpersonen an — direkt an der Schule oder remote. Inhalte:
- Erste eigene Erfahrung mit Replit Agent (Hands-on)
- Pädagogische Rahmung: Wann setzt man KI ein, wann nicht?
- Unterrichtsplanung: Drei fertige Sequenzen zum sofortigen Einsatz
- Elternkommunikation: Argumentationshilfen zum Thema KI im Unterricht
Jetzt Termin vereinbaren — die ersten drei Workshops im Schuljahr 2025/26 sind für Pilotschulen kostenlos.
"KI-Literacy ist keine Zusatzkompetenz mehr — sie ist die Grundkompetenz des 21. Jahrhunderts. Lehrpersonen, die Replit Agent pädagogisch einbetten, geben ihren Schülerinnen und Schülern einen entscheidenden Vorsprung — nicht weil sie KI nutzen, sondern weil sie verstehen, wie."
— Marcel Haas, CEO CNEXT, Replit Master Builder Level 5

