Microsoft hat mit Work IQ die Intelligenzschicht beschrieben, auf der Microsoft 365 Copilot aufsetzt. Work IQ ist kein eigenständiges Produkt, das Sie zusätzlich kaufen, sondern Microsofts Sammelbegriff für die Daten-, Kontext- und Skill-Ebene, die Copilot personalisierter und unternehmenskontextbezogen machen soll.
Hinweis zur Einordnung: Eine frühere Version dieses Artikels enthielt Aussagen, die über das hinausgingen, was Microsoft offiziell dokumentiert — insbesondere zur freien Modellwahl durch Endnutzende und zum Verfügbarkeitsstand der Work IQ API. Wir haben den Text überarbeitet und unterscheiden jetzt explizit zwischen GA-, Preview- und angekündigten Funktionen. Maßgeblich bleibt Microsoft Learn.
Die drei Ebenen von Work IQ
Microsoft beschreibt Work IQ als Zusammenspiel von drei Ebenen:
- 1Daten — die Inhalte, auf die Copilot berechtigungsbasiert zugreifen kann
- 2Kontext — was Copilot über Personen, Beziehungen, Projekte und Arbeitsmuster weiß
- 3Skills und Tools — spezialisierte Fähigkeiten für konkrete Aufgaben
Ebene 1: Daten
Die Datenbasis von Work IQ umfasst:
- Microsoft-365-Tenant-Daten: SharePoint, OneDrive, Word, Excel, PowerPoint, Outlook, Teams — immer berechtigungsbasiert und unter Einhaltung bestehender Sensitivity Labels und DLP-Richtlinien.
- Copilot Connectors: Vorgefertigte und eigene Connectors, um Inhalte aus Drittsystemen einzubinden.
- Dataverse / Dynamics 365: Strukturierte Geschäftsdaten als zusätzliche Wissensquelle. Microsoft hat hier weitere Integrationen in der Roadmap angekündigt — die genaue Verfügbarkeit pro Produkt und Region kann sich ändern.
Ebene 2: Kontext
Memory ist die in Microsoft 365 Copilot Chat verfügbare Gedächtnisfunktion mit zwei Facetten:
- Explizit: Custom Instructions (z. B. "Antworte immer im Aktiv") und Saved Memories, die Nutzende selbst setzen.
- Implizit: Copilot leitet aus dem Chat-Verlauf wiederkehrende Präferenzen ab. Welche Signale dabei einfließen und ab wann weitere Aktivitäten (Outlook, Teams, Office) berücksichtigt werden, kommuniziert Microsoft schrittweise.
Semantic Index ermöglicht bedeutungsbasiertes Retrieval über Tenant-Inhalte — und nicht nur reines Keyword-Matching. Inhalte aus Copilot Connectors werden ebenfalls indexiert, vorhandene Berechtigungen bleiben verbindlich.
Business Understanding ist eine semantische Schicht aus Glossaren und Ontologien, mit der Copilot organisationsspezifische Begriffe einordnen kann. Die Tiefe dieser Schicht hängt davon ab, wie konsequent ein Tenant SharePoint-Strukturen, Term Stores und Sensitivity Labels pflegt.
Ebene 3: Skills und Tools
Skills sind spezialisierte Anweisungen für wiederkehrende Aufgaben — z. B. ein Meeting planen, ein Briefing zusammenfassen, ein Dashboard interpretieren. Microsoft baut Skills sowohl in die First-Party-Copilot-Erfahrungen als auch in Copilot Studio ein, wo Organisationen eigene Agents bauen.
Modellauswahl: was Microsoft heute wirklich bietet
Hier hat die Vorgängerversion dieses Artikels überzogen. Stand heute gilt:
- Microsoft 365 Copilot greift im Hintergrund auf verschiedene Foundation-Modelle zurück. Microsoft kommuniziert öffentlich Partnerschaften unter anderem mit OpenAI und Anthropic, und hat angekündigt, weitere Modelle in die Plattform zu integrieren.
- Eine direkte Modellauswahl durch Endnutzende ist nicht in jeder Copilot-Erfahrung verfügbar. Sie wird zunächst in bestimmten Oberflächen (z. B. Copilot Chat / Researcher) bereitgestellt; in Word, Excel, Outlook oder Teams gibt es üblicherweise keine Modell-Auswahlbox am Prompt.
- Was wo verfügbar ist, ändert sich häufig. Verbindliche Quelle ist immer der entsprechende Eintrag in der Microsoft 365 Roadmap oder Microsoft Learn.
Wir empfehlen, Multi-Model-Diskussionen nicht zur zentralen Begründung für Copilot-Investitionen zu machen. Der Wert liegt im Zusammenspiel von Daten, Kontext, Skills und Governance — nicht in der Wahl eines Modellnamens.
Was heute GA, Preview oder angekündigt ist
| Bereich | Stand (April 2026) |
|---|---|
| Microsoft 365 Copilot Grundfunktionen in Word/Excel/PowerPoint/Outlook/Teams | GA |
| Semantic Index über Tenant-Inhalte | GA |
| Memory in Copilot Chat (Custom Instructions / Saved Memories) | GA / im breiten Rollout |
| Erweiterte Aktivitätssignale aus Office-Apps in Memory | im Rollout / variiert |
| Modellauswahl in ausgewählten Oberflächen | im Rollout / je nach Lizenz und Region |
| Cowork / action-taking Copilot | Preview (Detail) |
| Work IQ API für eigene Apps und Agents | Preview / Roadmap-Detail in Artikel #229 |
Die Tabelle ist eine bewusst grobe Orientierung. Für jede einzelne Funktion gilt: vor produktiver Planung in Microsoft Learn nachprüfen.
Sicherheit, Berechtigungen und Compliance
Work IQ ist kein neues Berechtigungsmodell — es nutzt das bestehende:
- Berechtigungen: Copilot sieht nur Inhalte, auf die die abfragende Person Zugriff hat.
- Sensitivity Labels: Bestehende Klassifizierungen werden geerbt.
- DLP-Richtlinien: Bleiben aktiv.
- EU Data Boundary: Microsoft betreibt für die EU eine eigene Datenresidenz; weitere Details und Ausnahmen sind in Microsofts EU Data Boundary Dokumentation beschrieben.
- Tenant-Grenze: Tenant-Daten werden nicht zu Trainingszwecken für Foundation-Modelle Dritter verwendet.
Für Schweizer Unternehmen mit nDSG-, FINMA- oder branchenspezifischen Anforderungen heißt das: Die Governance-Hausaufgaben (Berechtigungen, Labels, DLP, externer Zugriff) bleiben dieselben wie ohne Copilot. Wer hier bereits sauber aufgestellt ist, profitiert am stärksten.
Was Sie heute realistisch tun können
- 1Tenant-Hygiene prüfen: SharePoint-Berechtigungen, externer Zugriff, Sensitivity Labels und DLP-Richtlinien aktualisieren — das ist der Hebel mit dem höchsten Effekt.
- 2Wenige, gut definierte Use Cases starten: lieber drei Anwendungsfälle in einer Pilotgruppe richtig messen, als zehn parallel ausrollen.
- 3Memory bewusst einsetzen: Custom Instructions zentral abstimmen, statt jede Person eigene "Saved Memories" pflegen zu lassen.
- 4Roadmap-Updates verfolgen: Microsoft 365 Roadmap und Microsoft Learn regelmäßig prüfen, statt sich auf Marketingfolien zu verlassen.
- 5Erfolg messen: Vorher/Nachher-Messung mit konkreten Aufgaben — nicht nur generische Adoption-KPIs.
So unterstützt CNEXT
Als Microsoft Partner begleiten wir Schweizer Unternehmen bei der ehrlichen Einführung von Microsoft 365 Copilot:
- Readiness-Assessment: Tenant-Hygiene, Berechtigungen, Labels und DLP.
- Use-Case-Workshop: realistische Anwendungsfälle für Ihre Branche und Ihre Daten.
- Pilotbegleitung: messbare Einführung mit klar definierten Erfolgskriterien.
- Schulung & Enablement: Endnutzende, Power User und IT-Admins — auf Basis dessen, was wirklich verfügbar ist.
Work IQ als Konzept ist hilfreich, weil es die richtigen Fragen aufwirft: Wo sind unsere Daten? Wie sauber ist unser Kontext? Welche Skills brauchen wir? Die Antworten sind nicht in einem Marketing-Begriff, sondern in der Tenant-Realität jeder einzelnen Organisation.

